Berufsportrait: Lydia Dietsch, Mitgründerin von gallereplay

Portraitfoto von Lydia Dietsch

Lydia Dietsch

Vor zwei Jahren hat Lydia Dietsch gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Marco Woldt die Stock-Plattform gallereplay für hochwertige Cinemagraphs gegründet. Cinemagraphs sind „lebendige Fotos“, in denen sich einzelne Elemente bewegen – also beispielsweise ein Portrait von einer Frau, auf dem ihre Haare unendlich lange im Wind wehen. Derzeit bietet die Plattform bewegte Bilder von ca. 80 Künstler*innen aus aller Welt an. Gekauft werden sie von Unternehmen, die sie auf ihren Websites, in der Werbung oder auf ihren Social-Media-Kanälen nutzen. Dabei ist die 27-jährige Lydia Dietsch selbst Künstlerin, die ihre eigenen Cinemagraphs auf ihrer Plattform anbietet.

Das Interview führte Freya Kettner für BER-IT.

Frau Dietsch, Sie sind ausgebildete Grafikerin. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit gallereplay ein Start-up zu gründen? Damit haben Sie sich gegen die Soloselbständigkeit oder eine Festanstellung als Grafikerin entschieden.

In der Vergangenheit hatte ich sowohl eine Festanstellung, als auch eine Einzelunternehmung als Grafikdesignerin. Tatsächlich habe ich mich nach der Festanstellung damals bewusst für die Selbstständigkeit entschieden. Das lag daran, dass ich gerne selbstbestimmter arbeiten wollte. Mir gefiel bereits, was ich tat. Es gab jedoch Dinge, die mich demotiviert haben. Beispielsweise die mangelnde Flexibilität der Arbeitszeiten. Heute arbeite ich unterm Strich viel mehr im Vergleich zu der Zeit, in der ich angestellt war. Das mache ich jedoch liebend gerne, weil ich selber den größten Einfluss auf meinen Berufsalltag nehmen kann. Der Sprung von der Soloselbstständigkeit zur Firmengründung kam dann fast spontan: In der Bürogemeinschaft, die ich damals gegründet habe, fragte mich mein Mitgründer Marco, was ich von Cinemagraphs halte. Ich fand sie auf Anhieb unglaublich beeindruckend und wir beschlossen, die erste Bildplattform zu gründen, die sich rein auf dieses Medium spezialisiert.

Ab wann war Ihnen klar, dass Sie mit einer Plattform für den Verkauf von bewegten Bildern Geld verdienen können?

Das war mir klar, als ich Cinemagraphs das erste Mal sah. Der erste Verkauf über unsere Plattform war eine freudige Bestätigung. Mit jedem weiteren Verkauf festigt sich diese Meinung natürlich, und wir können positiv in die Zukunft schauen.

Welche Unterstützung haben Sie während der Gründung in Anspruch genommen? Was war für Sie besonders hilfreich?

Nach unserer Idee, eine Bildagentur für Cinemagraphs aufzubauen, bekamen wir die Empfehlung, uns beim Axel Springer Plug and Play Accelerator zu bewerben. Das klappte und wir haben darüber 25.000 Euro Startkapital zur Verfügung bekommen. Der Accelerator ist ein Förderprogramm, das über drei Monate läuft. Während unserer Förderphase haben wir an diversen Events und Workshops teilgenommen, viele Präsentationen gehalten, neue Kontakte geknüpft, die ersten Praktikanten eingestellt und vieles mehr. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und ich konnte vieles über das Unternehmertum lernen. Seither haben wir uns noch zweimal Investment sichern können, immer gegen Firmenanteile. Die Unterstützung durch Mentoren, ein Netzwerk und natürlich die Investments waren für unsere Entwicklung unbezahlbar.

Arbeitet Ihr Unternehmen bereits gewinndeckend? Haben Sie Tipps für andere selbstständige Frauen, wie sie bis zu diesem Punkt durchhalten können?

Unsere Firma existiert nun seit zwei Jahren. Drei Jahre muss man sich bei einem Unternehmen wie unserem schon geben, um gewinndeckend zu werden. Wir investieren viel in Entwicklung und Marketing, diese Kosten könnten wir natürlich jederzeit herunterfahren. Dennoch hatten wir bereits viele gute Monate, in denen wir gewinndeckend arbeiten konnten. Es gibt zahlreiche Wege, in der Anfangszeit durchzuhalten. Gründerinnen können auf Gespartes, Darlehen, Förderungen oder Investments zurückgreifen. Ich persönlich habe gute Erfahrung mit Investments gemacht.

Gab es Stolpersteine, die Sie auf dem Weg zum Erfolg aus dem Weg räumen mussten? Welche waren das und wie haben Sie diese überwunden?

Es gibt immer wieder neue Stolpersteine, und manche davon können überwältigend wirken. Doch diese Herausforderungen zu meistern macht einen meiner Meinung nach erst zum Unternehmer. Bei gallereplay haben wir zum Beispiel oft Probleme, Entwickler zu finden. Eine weitere Herausforderung ist, dass man als Unternehmer*in plötzlich ganz viele neue Aufgabenbereiche hat, für die man sich erst Kenntnisse aneignen muss. In meinem Fall waren das beispielsweise rechtliche Themen. Ich habe mich tief in Themen wie Nutzungsrecht, Urheberrecht oder Persönlichkeitsrecht einarbeiten müssen.

Ist es wichtig, für die Arbeit an gallereplay in Berlin zu sein oder wäre es auch in einer anderen Stadt in Deutschland möglich, diese Art von Business zu führen?

In Berlin haben wir ein tolles Netzwerk, dieses könnten wir aber sicherlich auch in einer anderen deutschen Stadt aufbauen. Ansonsten ist unser Unternehmen aber komplett digital und wir können von überall arbeiten. Viele unserer Kunden kommen aus den USA, hier würde langfristig ein weiterer Firmensitz Sinn machen.

Ich danke Ihnen sehr herzlich für die Beantwortung meiner Fragen.

gallereplay: www.gallereplay.com

Lydia Dietsch bei gallereplay: www.gallereplay.com/profile?author=lydia