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Bund startet die „Initiative Digitale Bildung“

Bildschirmfoto Ausschnitt Stadt-Land-DatenFluss

Bildschirmfoto Ausschnitt Stadt-Land-DatenFluss Lernen im Web | KI-Campus

Corona-Krise ist Treiber für digitale Bildung

Ziel ist, die digitale Bildung in Deutschland weiter auszubauen und ihr einen deutlichen Schub zu geben. Die Pandemie hat klar gezeigt, welche hohe Bedeutung digitale Lehr- und Lernangebote haben können. Umso wichtiger ist es, das Lernen, Lehren und Ausbilden mit digitalen Angeboten weiterzuentwickeln und digitale Kompetenzen in der Breite zu stärken.

Die neue „Initiative Digitale Bildung“ soll Menschen aller Altersgruppen und jeder Vorbildung die Möglichkeit geben, sich digital weiterzubilden. Es ist wichtig, dass sich alle Menschen Grundkompetenzen im Umgang mit Daten aneignen. Datenkompetenz ist notwendig, da unsere Welt immer digitaler wird.

Im Zentrum stehen zwei konkrete Maßnahmen. Bei der Präsentation der Initiative durch das Bildungsministerium und das Bundeskanzleramt wurden auch bisherige Aktivitäten des Bundes bei der digitalen Bildung herausgestellt - beispielsweise der Digitalpakt Schule, der die Bundesländer mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro unterstützt: Davon sind 500 Millionen Euro für Leih-Laptops für Schüler*innen sowie digitale Endgeräte für Lehrkräfte, weitere 500 Millionen Euro für die Ausbildung und Finanzierung von IT-Administrator*innen. Außerdem wurde eine Schul-Cloud initiiert, die Schulen zur Verfügung steht, die keine anderen digitale Angebote nutzen.  

Im Zentrum der neuen Initiative stehen zwei konkrete Maßnahmen für den souveräner Umgang der Bürger*innen mit Daten.

Neue Lern-Apps

Dieser souveräne Umgang soll allen Altersgruppen die neue Lern-App “Stadt-Land-DatenFluss“ des Deutschen Volkshochschulverbandes ermöglichen. Die App erläutert die Funktionsweise neuer datengestützter Technologien grundlegend und erklärt, wie man seine Daten bewusst teilen oder auch schützen kann. Die App gibt es kostenlos für mobile Endgeräte. Desktop-Nutzer*innen können die Inhalte der App auch im Web erfahren.

Eine weitere App, die Schul-App "Anton", mit über 100.000 Aufgaben, mehr als 200 Übungstypen, Lernspielen und interaktive Erklärungen wurde von der Digital-Staatsministerin vorgestellt.


„Digitaler Bildungsraum“

Alle, die sich künftig digital weiterbilden wollen, sollen künftig leichter Zugang zu qualitativ hochwertigen Angeboten bekommen. Dafür werden in einem „Digitalen Bildungsraum“ die Vermittlung, der Erwerb und die Weiterentwicklung digitaler Kompetenzen in allen Bildungsbereichen und über alle Bildungsphasen vernetzt. Ziel ist es, die digitalen Kompetenzen aller Altersgruppen zu stärken.

Kernelement ist eine neue „Nationale Bildungsplattform“ für alle Zielgruppen, die ab jetzt schrittweise aufgebaut werden soll. Hier sollen Lehrkräfte gutes digitales Unterrichtsmaterial und passende pädagogische Unterstützung finden. Von hier aus können sich Arbeitnehmer*innen auf Portalen für eine Weiterbildung informieren. Für Ausbildende und Prüfer*innen sollen hier Beispiele guter Praxis und hilfreiche digitale Werkzeuge bereit stehen.

Dazu sollen bestehende und neue digitale Bildungsplattformen zu einem bundesweiten und europäisch anschlussfähigen Plattform-System verknüpft werden. Ziel ist es, den Lernenden einen Bildungspfad zu eröffnen, der nicht auf eine Bildungseinrichtung oder einen Bildungsabschnitt begrenzt ist, sondern die gesamte Bildungskarriere unterstützt. Daher der zentrale Ansatz.

Link zur Präsentation der Initiative

 

Positionen und Kommentare

Der Digitalverband Bitkom zur „Initiative Digitale Bildung“

Der Verband begrüßt, dass digitale Bildung jetzt zur Chefsache wurde. Kritisiert wird, dass das Geld aus dem Digitalpakt Schule bislang zu langsam bei den Schulen ankommt. Nötig sind mehr Geschwindigkeit und weniger Bürokratie.
Auch muss das digitale Rad nicht überall neu erfunden werden: was hier schon gut läuft, kann da und dort übernommen werden. Daher sollen bereits vorhandenen digitalen Bildungsangebote der Länder auf der bundesweiten Plattform gebündelt werden, die es jetzt durch die Einbindung aller Akteure zu gestalten gilt. Ein zu entwickelndes bundeseinheitliche Angebot soll die bestehenden Länderplattformen und die Lösungen privater Anbieter integrieren.

Die Digitalisierung der Schulen darf nicht am föderalen Klein-Klein scheitern. Ein gemeinsamer Ansatz vom Bund über die Länder bis zu den Schulträgern ist wichtig. Eine Föderalismusreform 3.0 könnte einheitliche Standards für alle Länder zum Datenschutz und zur Nutzung digitaler Tools definiert werden.

Die neue App "Stadt-Land-DatenFluss" zur Förderung von Datenkompetenz ist ein guter Schritt, weil sie an ein breites Publikum gerichtet und nutzerorientiert gestaltet ist.

Das Bitkom-Programm für digitale Bildung ist abrufbar unter www.bitkom.org/Bundestagswahl-2021-Digitale-Bildung.

 

Kommentar von Jöran Muuß-Merholz, Diplom-Pädagoge, seit Jahren im Bereich digitale Bildung tätig

Bei der Präsentation wurden die wirklich schwierigen Punkte vermieden: Inwieweit werden Projekt gefördert, die Alternativen zu vorhandenen Ansätzen entwickeln wollen? Und wie werden Nachhaltigkeit und Offenheit gesichert?

Das Thema Offenheit war eine markante Leerstelle in den vorgestellten Planungen. Zwar ist von Marktplätzen und Bezahlschranken die Rede, aber von "Openness" noch gar nicht. Da sind die bildungspolitischen Debatten eigentlich schon weiter, und demnächst soll eine offizielle Strategie der Bundesregierung zu Open Educational Resources (OER) erscheinen. Gefordert wid, dass Alles, was mit öffentlichen Mittel finanziert wird, auch als Open Educational Resources (OER) und Open Source bereitgestellt werden soll, z.B. von der Bundesregierung geförderte Lern-Apps und Lern-Plattformen. Nur so wird ein wirklich offener Zugang und eine nachhaltige Nutzung der Entwicklungen ermöglicht.

Der neue „digitale Bildungsraum“ soll alles bündeln und standardisieren, was in verschiedenen Bildungsbereichen in Deutschland digital passiert. Von Tools, Plattformen und Materialien für den Unterricht über eine zentrale Authentifizierung der Lernenden bis zu einem riesigen Speicher von Zeugnissen und Zertifikaten. Dieses Vorhaben erscheint "gigantomanisch" und daher auch riskant. Wichtig ist, dass diese zentrale Plattform nicht zentralistisch arbeitet. Eine Plattform kann vernetzen und verbinden – aber nicht unter einem zentral organisierten und  Dach, dem sich alle unterordnen sollen.

Den vollständigen Kommentar lesen Sie hier.